Die allermeisten HNO-Beschwerden haben Zeit bis zum nächsten regulären Termin. Einige Situationen erfordern jedoch schnelles Handeln. Dieser Beitrag hilft Ihnen, echte Notfälle von harmloseren Beschwerden zu unterscheiden, und zeigt, wohin Sie sich wenden können. Er ersetzt keine ärztliche Beurteilung – im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als zu wenig.
Die wichtigsten Nummern
- 112 – Notruf: bei akut lebensbedrohlichen Situationen wie schwerer Atemnot, nicht stillbaren Blutungen oder plötzlicher Bewusstseinstrübung.
- 116117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst: wenn die Praxis geschlossen ist, Sie aber ärztlichen Rat brauchen und es kein lebensbedrohlicher Notfall ist.
- Giftnotruf: bei Verschlucken oder Kontakt mit giftigen Stoffen; die regionale Nummer finden Sie online.
Atemnot und Schwellungen im Hals
Zu den dringlichsten HNO-Notfällen zählt eine sich schnell entwickelnde Schwellung im Hals- oder Rachenraum, etwa im Rahmen einer allergischen Reaktion oder einer schweren Entzündung. Anzeichen sind zunehmende Atemnot, ein pfeifendes Atemgeräusch, kloßige Sprache, starker Speichelfluss und das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Hier zählt jede Minute – wählen Sie sofort 112. Bei bekannter schwerer Allergie und vorhandenem Notfallset dieses gemäß ärztlicher Anweisung anwenden.
Starkes Nasenbluten
Die meisten Nasenbluten sind harmlos und lassen sich selbst stoppen. So gehen Sie vor: aufrecht hinsetzen, den Kopf leicht nach vorn neigen (nicht in den Nacken legen), die weichen Nasenflügel für etwa zehn Minuten ununterbrochen zusammendrücken und ruhig durch den Mund atmen. Ein kühlender Umschlag im Nacken kann helfen. Ärztliche Hilfe suchen Sie, wenn die Blutung nach etwa 15 bis 20 Minuten nicht steht, sehr stark ist, nach einer Verletzung auftritt oder mit Kreislaufproblemen einhergeht.
Fremdkörper in Ohr oder Nase
Besonders bei kleinen Kindern gelangen manchmal Perlen, Erbsen oder kleine Spielzeugteile in Ohr oder Nase. Wichtig: Versuchen Sie nicht, den Fremdkörper mit Pinzette, Wattestäbchen oder anderen Gegenständen herauszupulen – Sie können ihn tiefer schieben oder verletzen. Bei einem Gegenstand in der Nase kann man das Kind (wenn es alt genug ist) auffordern, bei zugehaltenem freien Nasenloch kräftig zu schnäuzen. Gelingt das nicht, ist die Entfernung in der Praxis der sichere Weg. Batterien – etwa Knopfzellen – sind ein Sonderfall: Sie können rasch Gewebe schädigen und müssen umgehend entfernt werden.
Plötzlicher Hörverlust und heftiger Schwindel
Ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust sollte zeitnah abgeklärt werden, ist aber in der Regel kein Fall für den Notruf. Anders sieht es aus, wenn heftiger Drehschwindel zusammen mit Sprach-, Seh- oder Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühlen oder starken Kopfschmerzen auftritt – das kann auf eine ernste Ursache hindeuten und ist ein Fall für 112.
Verletzungen im Gesicht und Halsbereich
Nach Stürzen oder Schlägen können Nase, Kiefer oder Ohr verletzt sein. Eine deutlich verformte Nase, anhaltende Blutungen, klare Flüssigkeit aus der Nase nach einem Kopfanprall oder eine stark schmerzende, geschwollene Ohrmuschel sollten ärztlich beurteilt werden. Bei Bewusstlosigkeit, wiederholtem Erbrechen oder zunehmender Benommenheit nach einem Kopftrauma gilt: sofort 112.
Kurz zusammengefasst
Wählen Sie 112 bei Atemnot, nicht stillbaren Blutungen, schnell wachsenden Halsschwellungen und Warnzeichen für einen Schlaganfall. Nutzen Sie 116117, wenn Sie außerhalb der Sprechzeiten Rat brauchen, es aber nicht lebensbedrohlich ist. Für alles Übrige ist der reguläre Weg in die HNO-Praxis richtig – eine passende Adresse finden Sie über unsere Umkreissuche.